“ Die meißten vermeintlichen Vergaserprobleme haben Ihre Ursache in der Zündung!
Es besteht jedoch ein unbändiger Drang, bei jeder Gelegenheit am Vergaser rumzuschrauben. !? „
Funktionsweise
An einer Querschnittsverengung entsteht in der einströmenden Luft ein Unterdruck. Hierdurch saugt die Luft durch eine kleine Öffnung – die sogenannte Hauptdüse – Benzin dazu, das im Mischrohr fein zerstäubt wird. Um diese Benzinmenge konstant zu halten wird das Benzin aus der Schwimmerkammer entnommen – einer Art „Toilettenspülkasten“ in den immer nur so viel Benzin von der Pumpe nachströmt, wie verbraucht wird.
Darunter sitzt eine Drosselkappe, die vom „Gaspedal“ bewegt, über den Durchlass an Kraftstoff-Luftgemisch die Motorleistung steuert.
Für zwei Sonderfälle gibt es noch Zusatzeinrichtungen:
- ) Im Leerlauf ist die Drosselklappe fast ganz geschlossen, so daß das Mischrohr nicht mehr arbeiten kann. Daher wird jetzt der Kraftstoff über eine eigene einstellbare Gemischdüse unterhalb der Drosselklappe zugeführt.
- ) bei kaltem Motor kondensiert ein Teil des vernebelten Kraftstoffs an den kalten Wänden der Ansaugkanäle. Daher muß so lange entsprechend mehr Kraftstoff zugeführt weden, bis der Motor warm ist. Dazu dient die Choke-Klappe oben, die die Luftmenge reduziert, wodurch der Kraftstoffanteil steigt.
Der Vergaser ist auf den Motor abgestimmt. Beim R4 mit dem Hauptaugenmerk nicht auf maximale Leistung, sodern auf minimalen Benzinverbrauch. Änderungen an dieser Abstimmung führen daher immer zu Mehrverbrauch. Die Vergasergröße hat hier wenig Einfluss – es wurden Vergaser von 22 bis 32mm Durchmesser abgestimmt.
Funktion Prüfen
Folgenden Grundkontrollen kann jeder machen ( ohne am eigentlichen Vergaser sich zu vergehen ):
Luftfilter abnehmen. Ist der Luftfiltereinsatz so hoch, daß er im Kasten eingeklemmt wird? Choke ziehen. Schließt sich obere Klappe vollständig? lässt sie sich gegen eine schwache Feder mit dem Finger aufdrücken? Öffnet sich die Klappe ganz senkrecht wenn der Chokezug eigeschoben ist? Motor starten: Kommt im Mischrohr nur Benzin wenn man Gas gibt und nichts im Leerlauf? Bei Stehendem Motor: Öffnet sich die untere Drosselklappe bei Vollgas vollständig und wird die Feder an der Gaszughalterung dabei leicht zusammengedrückt? Sind die Muttern am Vergaserfuß und am Ansugkrümmer fest? Ist die Motorentlüftung nicht verstopft und die 0,9mm Blende vorhanden ? Sind Leitungsfilter im Benzinschlauch ( vor und nach der Benzinpumpe ) und sind diese noch sauber? Kommen bei laufenden Motor Luftblasen im Filter an?
Probleme im Vergaserumfeld:
- Die Motorentlüftung erfolgt in den Vergaserdeckel. Eine Abzweigung davon ist am Ansaugkrümmer angeschlossen. In diese Abzweigleitung ist eine 0,9mm Blende. Fehlt diese Blende, lässt sich der Leerlauf nicht einstellen.
- Die Lackierung des Luftfiltergehäuses blättert manchmal ab und führt zu Vergaserverschmutzungen.
- Die Benzinleitung rostet manchmal durch – gerne unter den Schutzschläuchen in den Radkästen hinten und vorne. Auch bricht manchmal das lose Ende im Motorraum unter dem Schutzschlauch ab. In Folge saugt die Benzinpumpe immer mehr Luft und Dreck mit hinein.
- Die Benzinschläuche werden porös oder hart und brüchig – es ist zwar keine spezielle Unverträglichkeit der Serienschläuche gegen Alkohol im Benzin beobachtet – der Alkohol verringert aber auf jeden Fall nicht die Alterung.
- Bei heiss abgestelltem Motor erwärmt dieser den Vergaser bis das Benzin kocht. Durch den Alkoholanteil im Benzin hat sich dieses Problem verstärkt. Startprobleme sind die Folge. Ein doppelwandiges Wärmeschutzblech aus Edelstahl ( geringere Wärmeleitung ) zwischen Vergaser und Ansaugkrümmer kann hier helfen.
- Modernes Benzin altert schnell und verliert an Zündfähigkeit. Der R4 ist hier zwar nicht besonders empfindlich – aber bei längerem Abstellen über Monate macht es Sinn vorher Benzinstabilisator in dem Tank beizumischen ( z.B. Bactofin ) das erleichtert den Start nach der Abstellphase. Der Alkohol nimmt Feuchtigkeit aus der Luft auf bis die Mischung kippt und das Wasser sich unten absetzt. Meine Theorie: Bei E10 tritt diese Sättigung später auf als bei E5 !? Um Rost im Tank zu vermeiden, sollte ein Blechtank entweder voll oder ganz entleert ( trocken ) gelagert werden.
- Bei den 32er Vergasern ist die Vergaserfuss von Kühlmittel durchströmt. Dies dient allerdings nicht zur Kühlung sondern zur Heizung um Vergaservereisen im Winter zu vermeiden. Wenn der R4 nicht mehr bei tiefem Fost betrieben wird kann dieser Anschuss verschlossen werden – und man spart Benzin.
Eigentliche Arbeiten am Vergaser:
Im Betrieb gelegentlich eingestellt werden muß nur das Leerlaufgemisch und die Leerlaufdrehzahl. Manchmal gelangt trotz Filter Schmutz in die Düsen. Hier muß der Vergaser geöffnet und ausgeblasen werden. Wer an den anderen Grundeinstellungen herumbastelt, braucht sich nicht wundern, wenn er neue Problem erst erschafft. Da aber die meißten nicht sicher sein können, was in der Vergangenheit an Ihren Vergasern geschraubt und verändert wurde – ist jede mögliche Form der Veränderung in die Fehlersuche einzubeziehen. 🙁
Spezialitäten der verwendeten Vergasertypen
Solex 22 – 26 ( 23 / 26,5 PS R4 der 60er Jahre )
im Grundaufbau entsprechend diese dem Zenith 28 IF:
Zenith 28 IF ( in fast allen Typen verwendet ):
Hauptunterschied: Anschlussröhrchen für Unterdruckverstellungsschlauch der Zündung bei den C-Motoren. Der Einfluss der Kennnummer ist nach bisheriger Erfahrung geringer als die Serienstreuung.
Das Leerlaufgemisch wird an einer federbelasteten Schraube im Vergaserfuß eingestellt. Die Leerlaufdrehzahl durch eine Anschlagschraube, welche die Drosselklappe leicht öffnet.
Zum Einstellen die Gemischschraube so weit hineindrehen, bis die Drehzahl abfällt ( wenn keine Reaktion der Drehzahl erfolgt, ist möglicherweise der Schwimmerstand zu hoch und Benzin tropft auch im Leerlauf ins Mischrohr ). Eine Stange öffnet bei geschlossener Choke Klappe leicht die Drosselklappe und erhöht den Leerlauf. Deren Einstellung an der Klemmschraube nicht verändern. Zum Reinigen der Haupdüse ist unten schräg zwischen Vergaserfuß und Schwimmerkammer eine Messing-Verschlussschraube 10mm. Darüber kann mum mit einem Schraubenzieher die Hauptdüse herausschrauben. Da dazu der Vergaser ausgebaut werden muß, reicht im Pannenfall oft auch ein Hineinblasen in das Mischrohr und ein ausputzen der Schwimmerkammer nach Abnehmen des Vergaserdeckels ( 5 Schlitzschrauben ). Der 28 If hat bereits serienmäßig relativ viel Spiel in der Drosselkappen – Lagerung. Bei anderen Vergasern würde das zu Undichtigkeiten „flascher Luft“ führen. Hier ist jedoch ein Gummidichtring an der Lagerung, weshald dieses Falschluft-Problem hier nicht zu beobachten ist.
Zenith 32 IF ( B-Motor 29 PS ):
Bei diesem Vergasertyp lockert sich manchmal die Leerlaufdüse ( Messingschraube oben knapp unterhalb des Deckels ) und die Lagerschraube für die Chokebetätigung. Beide sinnvollerweise mit Schraubensicherung einkleben. Die Leerlaufgemischschraube ist versteckt in einer kleinen Bohrung im Vergaserfuß.
Solex 32:
Diese Vergaser sind sehr zverlässig – Ihr Hautpfeind ist der ambitionierte aber halbwissende Schrauber. An der Drosselklappe befinden sich Einstellschrauben, die nicht der Leerlaufeinstellung dienen. Diese werden mit Werkstattmessgeräten eingestellt und wurden ab Werk mit kleinen Kappen „verplombt“ . Wer daran rumschraubt, wird den Vergaser nicht mehr korrekt eingestellt bekommen. ( Ausnahme: Die Anschlagschraube , die ein Öffnen der Drosselkappe bei den 1978er R4 GTL begrenzt hat. – diese herauszudrehen führt zu wahren Wundern ;-). Den Leerlauf stellt man hier über eine Gemischschraube mit Kreuz-Flachschlitz im Vergaserfuß und die Drehzahl über eine „Umluftschraube“ ein, eine Federbelastete grosse Rändel-Schlitzschraube an der Seite des Vergasers.